Kritische Reflexion gesellschaftlicher Auswirkungen von Digitalisierung

Die Digitalisierung hat einen nachhaltigen Einfluss auf unser Leben. In wenigen Jahrzehnten hat sie alle Gesellschaftsbereiche durchdrungen – und radikal verändert, wie wir arbeiten, miteinander kommunizieren und unseren Alltag gestalten. Dabei haben uns die durch sie angestoßenen Entwicklungen so rasch ereilt, dass kaum Zeit zum Reflektieren derselben bleibt.

Welche Chancen und Gefahren birgt die fortschreitende Digitalisierung für das Individuum und unsere Gesellschaft? Was müssen wir im Blick behalten, um sicherzustellen, dass die neuen, digitalen Möglichkeiten verantwortungsvoll und fruchtbar eingesetzt und genutzt werden, ohne dass bestehende gesellschaftliche Gräben weiter vertieft oder neue Ungerechtigkeiten geschaffen werden?

Die ethische Reflexion dieser und verwandter Fragen steht im Mittelpunkt des Teilprojekts, das (angehende) Lehrkräfte für die Auswirkungen der Digitalisierung auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene sensibilisieren soll. Dazu wird eine Lehreinheit entwickelt, die in grundsätzliche Methoden des kritischen Denkens einführt und moralphilosophisches Basiswissen vermittelt. Mit dem erarbeiteten philosophischen Rüstzeug werden verschiedene durch die Digitalisierung angestoßene Entwicklungen ethisch durchdrungen, um den (angehenden) Lehrkräften eine differenzierte Bewertung dieser Entwicklungen zu ermöglichen. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei darauf, dass die Teilnehmer*innen in die Lage versetzt werden, die erarbeiteten Kenntnisse und Kompetenzen an ihre (zukünftigen) Schüler*innen weiterzuvermitteln. Zu diesem Zweck werden die Teilnehmer*innen im Rahmen der Lehreinheit Unterrichtskonzepte entwickeln und voraussichtlich an Projekttagen in der schulischen Praxis erproben. So wird ein gemeinsam erarbeiteter Korpus an Unterrichtsmaterialien entstehen, der über das Projekt hinaus Lehrkräften als Ressource bei der Vermittlung von entsprechenden Inhalten im Unterricht dienen kann. Ferner entsteht ein die Inhalte der Veranstaltung dokumentierendes Handbuch, das es ermöglicht, die Veranstaltung auch über das Projektende hinaus ohne größeren Aufwand anzubieten. Die für die Lehreinheit erarbeiteten und evaluierten Materialien werden dazu schließlich als Open Educational Resources (OER) vorliegen.

Die Lehreinheit wird modular als Baukasten konzipiert, um einerseits viele ethisch relevante Themen aufgreifen zu können und die Lehreinheit andererseits leicht in der Ausrichtung auf unterschiedliche Zwecke anpassen zu können. Um die Inhalte der Lehreinheit möglichst anschaulich aufzubereiten, werden die philosophischen Grundlagen dabei in der Regel bereits praxisnah anhand der Phänomene der Digitalisierung entwickelt.

Es ist geplant, möglichst früh die Lehrerbildung der zweiten und dritten Phase zu integrieren, indem Themenfelder der Lehreinheit im Rahmen von Pädagogischen Tagen an Schulen vorgestellt werden.

Zu den Schwerpunkten der Lehreinheit werden dabei unter anderem die folgenden Themen gehören:

  • bestimmte Machine-Learning-Methoden (bspw. Deep Learning) und die sich daraus ergebende ethische Fragestellungen für den Einsatz entsprechender Techniken,
  • „Fake News“, Filterblasen, Echokammern und verwandte Phänomene und die damit einhergehenden erkenntnistheoretischen und ethischen Fragen,
  • der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Anwendungen im Alltag und die spezifischen ethischen Anforderungen, die sich daraus für Lehrer*innen ergeben.

Das Vorhaben MoDiSaar wird unter dem För­der­kenn­zei­chen 01JA2035 im Rah­men der ge­mein­sa­men „Qua­li­täts­offen­si­ve Leh­rer­bil­dung“ von Bund und Län­dern aus Mit­teln des Bun­des­mi­nis­te­riums für Bil­dung und For­schung ge­för­dert.